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TOP-THEMA: B1
– vk.com/topic-12399143 26677833

Homosexualität in Deutschland

In Deutschland gehört Homosexualität zum Alltag. Das war nicht immer so. Es gab sogar ein Gesetz, das homosexuelle Liebe verbot. Seitdem hat sich viel geändert. Heute können Lesben und Schwule auch Minister werden.

„Ich bin schwul – und das ist auch gut so!“ Dieser Satz ist in Deutschland fast so bekannt wie John F. Kennedys Worte „Ich bin ein Berliner“. Er machte Klaus Wowereit 2001 berühmt; wenig später wurde er Bürgermeister Berlins. Bald darauf folgte ein schwuler deutscher Außenminister. Noch vor 20 Jahren war das unvorstellbar. Bis 1994 galt nämlich der Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte.
Der Paragraph wurde schon 1872 eingeführt. „Gerade die Kriminalisierung hat dazu geführt, dass sich Widerstand bildete“, sagt Birgit Bosold, Kuratorin einer Ausstellung über Homosexualität in Berlin. Viele Homosexuelle protestierten schon im 19. Jahrhundert gegen das Gesetz. Einige deutsche Ärzte versuchten zu beweisen, dass Homosexualität angeboren ist und Schwule keine Verbrecher sind. Damals entstand auch das Wort „Homosexualität“: Es ist eine deutsche Erfindung.
Das Berlin der 1920er Jahre ist legendär. Trotz des Paragraphen 175 gab es schwul-lesbische Bars, Clubs, Theater und Zeitschriften mit Kontaktanzeigen. „Berlin war in dieser Zeit sicherlich eine der liberalsten Städte der Welt“, sagt Birgit Bosold. Als die Nazis kamen, war es mit der Toleranz vorbei: Viele Schwule wurden in Konzentrationslager gebracht. Auch in den 50er und 60er Jahren wurden Homosexuelle noch von der Polizei verhaftet. Erst in den 1970er Jahren änderte sich das.
Der „Homosexuellenparagraph“ wurde 1994 endgültig abgeschafft. Seit 2001 können homosexuelle Partner auch offiziell als Paar zusammenleben. Ein neues Gesetz gibt ihnen fast so viele Rechte wie verheirateten Paaren. Nur heiraten dürfen sie noch nicht, doch Birgit Bosold meint: „Ich halte das für eine Frage der Zeit – fünf Jahre maximal. Das wird kommen.“

Glossar

Homosexualität (f., nur Singular) – die Tatsache, dass Männer Männer lieben und Frauen Frauen (Person: der/die Homosexuelle; Adjektiv: homosexuell)

Lesbe, -n (f.) – eine Frau, die Frauen liebt (Adjektiv: lesbisch)

Außenminister, -/Außenministerin, -nen – ein politisches Amt, bei dem man sich um die Beziehung seines Landes zu anderen Ländern kümmert

unvorstellbar – hier: nicht möglich; undenkbar

Paragraph, -en (m.) – ein Teil eines Gesetzes, der eine Nummer hat

unter Strafe stellen – etwas verbieten und mit einer Strafe belegen

etwas ein|führen – hier: eine Regel offiziell gültig machen

etwas führt zu etwas – etwas hat etwas zur Folge

Kriminalisierung, -en (f.) – hier: die Tatsache, dass man etwas als Verbrechen hinstellt

Widerstand, -stände (m.) – der Kampf gegen etwas

sich bilden – hier: entstehen

Kurator/in, -en/-innen – jemand, der Ausstellungen (z.B. in Museen) betreut

Jahrhundert, -e (n.) – ein Zeitraum von 100 Jahren

angeboren sein – von Geburt an existieren

legendär – hier: bedeutend; so, dass noch lange davon gesprochen wird

sicherlich – so, dass es sicher wahr ist

Nazi, -s (m.) – Abkürzung für: der Nationalsozialist; eine Person, die die Ziele des Nationalsozialismus gut findet

Toleranz (f., nur Singular) – die Akzeptanz anderer Meinungen und Lebensweisen

Konzentrationslager, – (n.) – ein Lager, in dem die Nationalsozialisten sehr viele Menschen gefangen hielten und ermordeten (Abkürzung: KZ)

etwas ab|schaffen – hier: etwas ungültig machen

maximal – höchstens

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